
Kennst du noch? «Day of the Tentacle»
Das skurrile Setting, der schräge Humor, die absurden Rätsel. Vor 30 Jahren hat «Day of the Tentacle» mein Herz im Sturm erobert. Diese Liebe dauert bis heute an.
Eigentlich ist es ja ein Sequel. «Day of the Tentacle» ist der Nachfolger des Point-and-Click-Epos' «Maniac Mansion». Dennoch scheint der Titel noch allen in Erinnerung zu sein, die ich danach frage. Die Erinnerung an Maniac Mansion hingegen scheint verblasst – wenn sie denn je existiert hat.
Entwickelt wurde «DOTT» von der Firma Lucas Arts. Die Spieleschmiede wurde durch die «Monkey Island»-Serie und die Game-Adaption der «Indiana Jones»-Filme bekannt. Nachdem die Entwickler beide Serien für beendet erklärten (Spoiler: waren sie nicht), entschieden sie sich für eine Fortsetzung von Maniac Mansion.
«Die Welt erobern!!!»
Die von Dr. Fred gezüchteten Tentakel entwickeln sich charakterlich in unterschiedliche Richtungen. Grün-Tentakel, ein friedlicher, etwas einfältiger Zeitgenosse, geniesst das süsse Nichtstun.

Quelle: Florian Bodoky
Pur-Pur-Tentakel ist von anderen Ideen getrieben. Er will die Menschheit unterwerfen. Nachdem es im Garten von Dr. Freds Motel vom vergifteten Abwasser getrunken hat, wachsen ihm Arme. Dem Plan, die Welt zu erobern, steht also nichts mehr im Wege.
«Wir müssen das schon … gestern machen.»
Die WG-Kumpane Bernhard, Laverne und Hoagie wollen dies verhindern. Das geht aber nur, wenn du verhinderst, dass Pur-Pur vom giftigen Abwasser trinkt. Zum Glück hat Dr. Fred eine Zeitmaschine entwickelt. Wegen einer Fehlfunktion landen Laverne und Hoagie, statt im Gestern, 200 Jahre in der Zukunft beziehungsweise der Vergangenheit. Derweil bleibt Bernhard in der Gegenwart. So hat jeder Charakter mit eigenen Problemen zu kämpfen. Hoagie muss George Washington bei der Gründungsprozedur der USA zur Hand gehen.

Quelle: Florian Bodoky
Währenddessen ist Laverne in der komplett von Tentakeln beherrschten Welt gefangen und muss sich stets und ständig verkleiden oder verstecken. Und Bernhard muss das Ganze koordinieren und die Sabotage-Akte des feindseligen Dr. Fred verhindern. Dieser will zwar auch keine Tentakel-Diktatur, primär will er aber verhindern, dass die Behörden ihm und seinen Experimenten auf die Schliche kommen.

Quelle: Florian Bodoky
Über die Toilette in der Zeitmaschine (du bist ja lange unterwegs ...), können die drei Antihelden miteinander kommunizieren und sich Gegenstände «zuspülen». Benutzt und kombinierst du diese in der richtigen Zeitdimension, kannst du Pur-Purs Schreckensherrschaft beenden. Die Steuerung erfolgt über die Maus und die aus Monkey Island bekannte «Verbenliste» – benutz, nimm, drücke, spreche ...
«Out of the box» denken
Wenn es einen Moment gibt, die unsäglich abgenutzte Phrase «Out of the box»-Denken anzuwenden, dann bei DOTT. Ehrlich: Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie du dieses Game ohne «Spicker» durchspielen kannst. Neben viel Kreativität braucht es fast schon boshafte Wesenszüge. Um ans Ziel zu kommen, musst du Katzen mit Tipp-Ex bemalen, Hamster in die Gefriertruhen einsperren und alte Damen schubsen. Die Welt zu retten, erfordert offenbar jede Menge Folter und Tierquälerei. Das ist auch 30 Jahre später immer noch ein Heidenspass.

Quelle: Florian Bodoky
Wenn es dich reizt, das MS-DOS-Game jetzt zu spielen: Das Spiel wurde grafisch überarbeitet und steht seit 2016 für 15 Franken wieder bei Steam zum Verkauf. Auch für die Playstation ist der Titel zu haben. Möchtest du lieber das Original spielen, geht das auf Archive.org sogar direkt im Browser.
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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.