
Gefriergetrocknetes Eis: Der Snack, den niemand braucht – aber jeder probieren will
Was Astronauten schmeckt, könnte auch uns auf der Erde begeistern – oder etwa nicht? Mein Team und ich probieren gefriergetrocknetes Speiseeis aus der Dose und finden heraus, ob das Weltraum-Dessert unseren Geschmackstest besteht.
Laut Super Garden soll «Ice cream that doesn’t melt» die nächstbeste Alternative zu echtem Eis sein. Mein innerer Boomer schreit gereizt auf: «Braucht es jetzt wirklich auch noch eine Alternative zu echtem Eis?!» Sehr wahrscheinlich nicht. Aber was lecker ist, hat eine Daseinsberechtigung. Deshalb will ich wissen, wie es schmeckt – und meine Teammitglieder auch.
We all scream for Mango Ice Cream!
Mein Chef Simon reisst die Alufolie der Mango-Dose auf, riecht daran und verzieht das Gesicht, als hätte jemand in seiner unmittelbaren Nähe einen fahren lassen. «Was soll das sein?» Mangosorbet. Oder so. Er reicht mir die Dose. Darin befinden sich gelbe, harte Stängel, die mich an Pommes erinnern. Mit einem lauten krachen beisse ich ein Stück davon ab. «Wirklich knackig abzubeissen», paraphrasiert Arbeitskollege Lorenz mit leicht ironischem Unterton den Kommentar von Community-Member GefassterLegolaus52 unter dem gefriergetrockneten Eis auf Galaxus. Er scheint begeistert vom Konzept zu sein.

Quelle: Screenshot Galaxus
Und mein Team? Vorerst knuspert es nur um mich herum. Mein erster Eindruck: Sobald die harte Masse mit dem Speichel in Berührung kommt, schmilzt sie auf der Zunge. Sie ist süss, fruchtig, mit einer sauren Note und schmeckt zuerst leicht künstlich. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob ich das gefriergetrocknete Eis deshalb nicht mag. «Es erinnert mich an getrocknete Mangos», meint Darina und nimmt nochmals einen lauten Biss: «Die echten mag ich aber lieber, da kann man richtig darauf herumkauen.» Sie hat mit ihrer Einschätzung recht, der Geschmack von getrockneten Mangos trifft es ziemlich auf den Punkt. Lorenz erwidert: «Eigentlich ist es nicht mehr als gefriergetrocknete Fruchtcreme – der Gag ist das einzige Verkaufsargument.»

Und wie schmeckt Stracciatella, ella, ella, e?
Ich schnuppere an der zweiten Dose und mir steigt ein Geruch von Milchpulver in die Nase. «Sind die Klumpen gepudert?», fragt Lorenz. Nein, das ist das Pulver, das sich von den Vanille-Schoko-Nuggets gelöst hat. Im Gegensatz zu den harten Mango-Sticks sind die Stracciatella-Brocken nämlich porös. Fast kreideartig. Ich probiere einen und bin überrascht. Geschmacklich kommen die Happen einer Glace sehr nah. Der Vanillegeschmack ist dezent und die Schokostücke sind knackig. Wie das Stracciatella-Eis aus der Badi. Nur nicht so erfrischend. Die anderen stimmen mir zu. «Gar nicht mal so schlecht», sagt Patrick. Der Süssgetränke-Sommelier liebt verrückte Snacks und diesen offenbar auch.

Planet Earth is blue, and there's nothing I can do
Wir rätseln darüber, wer die Zielgruppe dieser süssen Happen sein soll. Menschen mit besonders kälteempfindlichen Zähnen? Solche mit Hang zu extremem Brainfreez? Oder vielleicht doch diejenigen, die so langsam essen, dass ihnen die Glace in den Fingern davon schmilzt? Michael meint die Antwort darauf zu kennen: «Das ist genau so Zeugs, auf das du nur einmal reinfällst, weil dich nie Neugierde packt und du es ausprobieren willst.» Er wird wohl recht haben. Bei mir war es so.
Patrick hat einen alternativen Erklärungsansatz. «Vielleicht ist es Eis für Astronauten!» Und mit dieser Theorie liegt er gar nicht mal so falsch. Die Whirlpool Corporation hatte in den 1970er-Jahren im Auftrag der NASA für die Apollo-Missionen gefriergetrocknete Desserts entwickelt, die nicht schmelzen. Zum Einsatz kamen sie aber nie, auch wenn sich dieser Mythos in den USA hartnäckig hält. Dort ist der Nachtisch seit langem bekannt, mit etablierten Sorten wie «Freeze Dried Ice Cream Sandwich», also gefriergetrocknete Glace zwischen zwei Keksen oder hartem Fürst-Pückler-Eis.

Ein neuer Snack für die Ewigkeit?
Wohl eher nicht. «Die sind viel zu teuer für das, was sie sind», sagt Simon. Vor allem der Kilopreis zeigt, dass es sich um einen kostspieligen Snack handelt. Ramon meint dazu: «Sie sind wild. Und wenn sie hier herumstehen, knabbere ich daran, aber nicht, weil ich sie geil finde.» Dasselbe möchte ich auch von mir behaupten, aber je weiter der Nachmittag voranschreitet, desto öfter greife ich in die Dose. Ich beginne die Brocken zu mögen. Nicht weil sie nach Glace schmecken, sondern weil mich die Konsistenz süchtig macht. Kurz vor Feierabend schaue ich in die Dose. Leer. Mist! Ich hätte noch Fotos davon machen müssen. Na gut, dann müssen halt zwei neue Dosen her.

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Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.