
18 000 Modellautos in einem Zimmer: Ich habe einen Hot-Wheels-Sammler besucht
Sven Kamm ist einer der bekanntesten Modellauto-Sammler der Schweiz. Ich habe mir seine bunten Schätze im Kanton Aargau angesehen.
Ein Schritt in das Zimmer von Sven Kamm ist wie ein Sprung in eine quietschbunte Welt voller Miniaturautos: In allen Farben und Formen füllen Tausende von ihnen Regale, hängen an der Wand, an der Tür, an der Decke. Sven Kamm, Jahrgang 1997, besitzt rund 18 000 Miniaturautos im Maßstab 1:64. Das zumindest schrieb er mir vor Kurzem unter einen meiner Artikel, in dem es um eine Kooperation der Spielzeugmarke Hot Wheels und Ferrari ging. Mit der Ankündigung hatte das US-amerikanische Spielzeugunternehmen wohl einen Nerv getroffen – nicht nur bei den gewöhnlichen Fans, sondern auch bei Sammlern. Ich staunte nicht schlecht, als einige Leser mir schrieben, sie hätten mehrere tausende Modellautos.
Mit einem von ihnen – Sven Kamm – machte ich daraufhin einen Termin aus und besuche ihn nun in seinem Zuhause in einem idyllischen Dörfchen im Kanton Aargau.

Quelle: Anne Fischer
Sobald er mir sein Zimmer zeigt, sprudeln aus ihm die Geschichten. Bei jedem Auto, das er aus dem Regal nimmt, kann er sich erinnern, wann es auf den Markt kam, wie er es bekommen hat und in welchen verschiedenen Ausführungen es angeboten wurde. Fast jedes Auto befindet sich noch in der Originalverpackung oder aber in einer schützenden Plastikhülle.
Mit dem pinken Cadillac fing alles an
Seine Leidenschaft für Hot-Wheels-Autos startete als Kind. «Ich war viel bei meiner Großmutter», erzählt er. «Immer, wenn wir bei der Migros waren, legte ich ein Modellauto aufs Förderband». Das erste Auto, das er haben wollte, war ein pinkfarbener 59er-Cadillac von Hot Wheels. Damals war Sven vier Jahre alt. Das Auto hat er noch immer, sogar noch ein Zweites in Originalverpackung besorgt. Denn, so erklärt er mir, ein Auto ist vor allem dann wertvoll, wenn es kaum Gebrauchsspuren aufweist, also am besten noch originalverpackt ist.

Quelle: Anne Fischer
Das kleine Zimmer mit Dachschräge, das mittlerweile als Aufbewahrungsort für seine kleinen Schätze fungiert, war einst sein Spielzimmer. «Mit 14 oder 15 war es dann mit dem Spielen vorbei», erinnert er sich. Und es wurde zur Garage für den Miniatur-Fuhrpark umfunktioniert.
Sven Kamm besitzt Modellautos, die es so kein zweites Mal gibt
Neben Hot Wheels hat er Modelle von anderen Herstellern wie Mini GT und Tarmac Works. Zu seinen Favoriten gehören die Autos von Ferrari und als Japan-Fan die Marke Nissan. Außerdem hat er sich Modelle anfertigen lassen, die es eigentlich im Handel gar nicht gibt: Befreundete Customizer kreieren sie für ihn, ausgehend von einem Serienmodell. So hat er sich seine eigenen Autos als Spielzeug-Modell kreieren lassen: einen Subaru BRZ und einen Nissan Skyline 22. Die Gestaltung der rückseitigen Blisterkarte für die Autos hat er selbst übernommen.

Quelle: Anne Fischer
Und wie finden die kleinen Schätze ihren Weg zu ihm? «Es gibt welche, die man einfach bekommt und welche, an die kommt man nur über Connections», sagt Sven Kamm. Sondereditionen von Mattel erwirbt er über eine Mitgliedschaft auf deren Website – wenn er schnell genug reagiert. Andere seltene Modelle bekommt er oft von befreundeten Sammlern, die wissen, welche Autos er besonders gerne hätte.
«Scheiße, den brauche ich noch»
«Das Maximum ist bei mir immer 80», sagt er. Das heißt, wenn ein Auto mehr als 80 Franken kostet, dann kauft er es nicht. Und mehr als 200 bis 300 Franken im Monat möchte er nicht ausgeben. Im Monat kommen gut 20 neue Modelle hinzu – diese findet er auf speziellen Tuning-Events, auf Oldtimer-Messen oder aber ganz klassisch im Aldi-Markt. «Ich hab’ schon oft gedacht: Oh, jetzt kann ich mal weniger sammeln. Aber dann denkt man eben doch: Scheiße, den brauche ich noch.»
Aber dem Prinzip mit den 80 Franken bleibt er treu. Eigentlich sammelt Sven die Supreme-Lastwagen von Hot Wheels. Als ein Modell in Kollaboration mit Gucci zum Neupreis von 120 Franken herauskam, musste er dann passen.
Gefeiert in den sozialen Medien
Sven Kamm arbeitet als Webdesigner in der Social-Media-Abteilung eines Baufachgeschäfts und studiert Webdesign und Webentwicklung im Bachelor.
Gleichzeitig versucht er mit seiner Leidenschaft auch Geld zu verdienen: 2016 fing er unter dem Namen «Toycarsaddict Daily» mit dem Aufbau einer Internet-Präsenz an. Gemeinsam mit einem befreundeten Sammelkollegen zeigt er dort eine Car Collection von A bis Z mit rund 20 000 Modellen. Dort kann jeder, der gerne wissen möchte, ob es das eigene Auto auch als Modell gibt, nachschauen. «Wie in einer Bibliothek», sagt Sven Kamm.
Auf seiner Webseite gibt es auch einen Shop mit rund 3000 ausgewählten Modellautos. Die stammen vorwiegend von Distributoren aus dem asiatischen Raum, etwa aus Malaysia. In guten Wochen verkauft er zirka zehn Autos, erzählt er mir. In dem Shop kannst du auch transparente Präsentationsboxen kaufen, die er für seine eigene Sammlung entwickelt hat.
Fast 500 000 Follower
Zugleich begann er, seine Sammlung auf Social Media zu präsentieren. Auf YouTube folgen ihm heute fast eine halbe Million Menschen und sehen sich Videos an, in denen er seine Sammlung zeigt oder einzelne wertvolle Autos genauer vorstellt.
Dort erscheint einmal pro Woche, meistens am Sonntag, ein längeres Video, in dem er sich mit neu erschienenen Autos beschäftigt. Jeden zweiten Tag folgt ein kurzes Video, das er auch für Instagram nutzt. Dort sind es kurze, witzige Reels, die stets seine Riesensammlung im Hintergrund zeigen. Mittlerweile hat der Auto-Liebhaber auch hier mehr als 180 000 Fans. Und in seinem Tiktok-Format vergleicht er jeweils ein Auto von Hot Wheels mit einem von Mini GT.
Daneben ist er jederzeit im Austausch mit seiner Community: Jeden Tag reagiert er auf Kommentare. Wenn er einmal im Jahr eine längere Schottland-Reise unternimmt, produziert er den Content für seine Kanäle vor, damit es nicht zu lange Pausen gibt. «Der Content würde mir nie ausgehen», sagt Sven Kamm, nimmt ein neues Auto von der Wand und plaudert sofort über dessen spezielle Geschichte weiter.
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Mama zweier Jungs, einer Hundedame und von zirka 436 Spielzeugautos in allen Farben und Formen. Für dich immer am Schnüffeln nach Neuigkeiten und Trends zum Thema Familie und (Haus-) Tiere.